Mehr als nur alte Klamotten

Kleidersammlungen sind ein wichtiger Baustein in der gemeinnützigen Arbeit kirchlicher Organisationen

Kleidung_Nachricht (c) www.pixabay.com
Kleidung_Nachricht
Di 31. Jan 2017
Andrea Thomas
In ein paar Wochen fangen wir wieder an, dicke Pullover und Jacken, Schals, Mützen und Stiefel nach hinten in den Schrank zu packen.
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Kleidung

Für viele auch die Gelegenheit, einmal Bestandsaufnahme zum machen und Platz zu schaffen. Gerne würde man mit seinen Altkleidern nun noch etwas Gutes tun – doch wie? Der Altkleidermarkt ist unübersichtlich, der willige Spender unsicher. So auch in Aachen, wo die Stellplatzvergabe für die Altkleidercontainer von der Stadt seit vergangenem Jahr per Los bestimmt wird. Davon profitieren vor allem kommerzielle Sammler. Gemeinnützige Organisationen, die Altkleider für wohltätige Zwecke sammeln, haben das Nachsehen. Das hat auch Laila Vannahme, engagierte Ehrenamtliche in der GdG Aachen-Ost/Eilendorf und im regionalen Pastoralrat Aachen-Stadt geärgert: „Das kann doch nicht sein, ich sammle und irgend ein Verwerter verdient dann daran.“ Sie knüpfte Kontakt zu Holger Brantin, Sprecher des Katholikenrats Aachen-Stadt, und Martin Pier, Referent im Büro der Regionaldekane, die ihren Unmut teilten und wie sie etwas tun wollten – die Geburtsstunde von „Aachen fairwertet“. Auf ihre Initiative hin haben sich die katholische Kirche in Aachen, der Katholikenrat der Region Aachen-Stadt und die evangelische Kirchengemeinde Aachen zu einem Bündnis zur Sammlung und Verwertung von Altkleidern zusammengeschlossen. So soll sichergestellt werden, dass der Anteil der Kleiderspenden, der sozialen Projekten vor Ort zugute kommt, wieder steigt und alle, denen es wichtig ist, was mit ihren Altkleidern passiert, eine Alternative zu kommerziellen Verwertern haben.

Die Sammlung übernehmen die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und der Malteser Hilfsdienst (MHD) auf katholischer und der Verein „Wabe Diakonisches Netzwerk Aachen“ auf evangelischer Seite. Alle drei Organisationen sind nicht nur seit Jahren in dem Bereich tätig, sie geben außerdem gebrauchte Kleidung über ihre Läden und Kleiderkammern weiter und benötigen die Erlöse aus den Sammlungen dringend zur Unterstützung ihrer Projekte vor Ort. „Wir geben nicht nur Altkleider zu günstigen Preisen an bedürftige Menschen ab, wir finanzieren mit den Einnahmen aus den Sammlungen auch viele unserer gemeinnützigen Angebote, wie das Demenz-Café in Richterich oder unsere Besuchsdienste“, erläutert Ludwig May, Geschäftsführer der Malteser. Etwas, das auch Wabe und KAB so für sich unterstreichen können, die über die Sammlung von Kleiderspenden außerdem auch Arbeitsmöglichkeiten für Langzeiterwerbslose schaffen.

 

Auch die Situation in Aachen-Land ist schwierig und unbefriedigend

Ein weiterer Aspekt, der den Partnern von „Aachen fairwertet“ wichtig ist, ist, transparent zu machen, was mit den gesammelten Altkleidern passiert. Sie möchten außerdem einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Rohstoff „Kleidung“ fördern. Dazu haben sie sich unter anderem auch den Richtlinien des Dachverbands „FairWertung“ angeschlossen. Bis zum Sommer will das Bündnis die Zahl seiner Container (versehen mit einem entsprechenden Aufkleber bzw. die neueren im eigenen Design) auf 40 aufstocken, mitfinanziert auch durch die Kirchen. Damit dies möglich wird, benötigen die Bündnispartner dringend weitere private Stellplätze und werben dazu bei den Kirchengemeinden aber auch bei Firmen und Privatpersonen um Unterstützung. In Aachen-Land ist die Situation ähnlich schwierig. Hier sammelt die KAB im Verbund mit dem Förderverein Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region unter dem Label von „FairWertung“.

In Alsdorf, Baesweiler und Herzogenrath haben die Städte bereits eigene Container aufgestellt und geben die so gesammelten Altkleider an die Regioentsorgung ab. Dass weitere Kommunen dem Beispiel folgen werden, ist wahrscheinlich. Gesammelt wird in Aachen-Land mehrgleisig: über eigene Container auf Privatgrundstücken, deren Zahl auch hier noch ausbaufähig ist, über die jährliche Kleidersammlung im Herbst in Alsdorf, Baesweiler und Herzogenrath – aus der aufgrund der wachsenden kommerziellen Sammlerkonkurrenz inzwischen eine Bring-Sammlung mit mehreren Abgabestellen geworden ist –, über den Teil-und Tauschring Alsdorf, den Kleiderladen des Nachbarschaftstreffs in Setterich sowie das Gebrauchtwarenkaufhaus „Patchwork“ in Herzogenrath, wo Kleiderspenden direkt abgegeben werden können. Auch für die KAB und den Förderverein und ihre Arbeit vor Ort ist der Erlös aus den Kleiderspenden wichtig, doch es geht auch hier um einen bewussteren Umgang mit Kleidung, um Verantwortung und Transparenz bei der Vermarktung. Weshalb sie auch seit Gründung Mitglied im Dachverband „FairWertung“ sind. „Unsere jährliche Kleidersammlung ist immer auch ein Stück Sozialaktion, bei der 100 bis 150 ehrenamtliche Helfer im Einsatz sind“, erklärt KAB-Sekretärin Agnes Schnieders. Wie in Aachen will die KAB in den nächsten Wochen noch einmal gezielt Kirchengemeinden ansprechen, um ihr Netz an Container-Stellplätzen flächendeckend in den Kommunen der Region Aachen-Land weiter auszubauen. Neue einheitliche Container, mit einem besseren Wiedererkennungseffekt für die Verbraucher, sollen folgen.

 

Info

Wer einen Containerstandort zur Verfügung stellen möchte, wendet sich bitte an folgende Stellen. Für Aachen-Stadt: Martin Pier, Büro der Regionaldekane Aachen, Tel. 0241/4790134, E-Mail: martin.pier@bistum-aachen.de Für Aachen-Land: Agnes Schnieders, KAB Aachen-Land, Tel. 0241/ 4001860, E-Mail: agnes.schnieders @kab-aachen.de Mehr zum Thema auf: www.aachen-fairwertet.de sowie www.fairwertung.de